Vorträge & ReferentInnen 2024

Mit mehreren Referenten, die uns helfen werden, die Thematik in verschiedenster Hinsicht zu vertiefen, mit einem besonderen Interesse für das Zeugnis und die Lehre der Karmelheiligen.

Wozu taugt der Mensch? Anregungen zur Persönlichkeitsbildung aus der christlichen Tugendethik

Em. Univ.-Prof. Dr. Ingeborg Gabriel (Wien)

   Zusammenfassung

Wir wollen uns an diesem ersten Tag des Kurses mit zentralen Entwürfen der christlichen Tugendethik befassen (von Cassian über Aristoteles und Thomas bis Edith Stein). Tugend (deutsch von taugen) bildet einen Grundstein christlicher Ethik und Spiritualität. Sie dient dem Aufbau der individuellen Persönlichkeit und ist die Grundlage der moralischen Identität.

Menschsein – mit Leib und Seele. Grundfragen des menschlichen Lebens bei Edith Stein

Dr. Beate Beckmann-Zöller (München)

   Zusammenfassung

Der Mensch ist frei und durch seine Geistbegabtheit zur Verantwortung für sein Leben bestimmt – das ist der Zielpunkt, auf den sich Edith Steins Aufbau der menschlichen Person zubewegt. Um zur Erkenntnis der Individualität des Menschen zu führen, geht sie real-phänomenologisch vor: Von außen betrachtet, nimmt man zunächst den Leib und dann erst das Innere des Menschen wahr, das sie mit scholastisch-thomasischer Begrifflichkeit als Seele und Geist bezeichnet. Der Mensch wird von Edith Stein stufenweise untersucht als ein Mikrokosmos, der nach innen und nach außen erschlossen, aufgebrochen ist: Als geistige Person wird der Mensch in seiner Individualität sowie als Gemeinschafts- und Kulturwesen und als Gottsucher beleuchtet. Im Vortrag und in Diskussionen zu ausgewählten Texten Edith Steins erarbeiten wir ein Verständnis des Menschen als Person, die sich sowohl von den Dingen als auch von den Tieren unterscheidet, weil sie zur Verantwortung gerufen ist.

Eine Freundschaft, die verwandelt. Inneres Gebet und „Vermenschlichung“

P. Dr. Roberto Maria Pirastu OCD (Rom)

   Zusammenfassung

Inneres Gebet und Christus-Beziehung in der karmlitanischen Tradition als Weg der menschlichen Entwicklung in der Spannung zwischen Kontemplation und Aktion.

Menschliche Bedingtheit und Freiheit – Hannah Arendt und Edith Stein

Dr. Martin Baesler (Freiburg)

   Zusammenfassung

Welche Stellung hat der Mensch in der Welt? Diese Frage beschäftigte die zwei Philosophinnen Edith Stein und Hannah Arendt auf unterschiedliche Weise. Edith Stein zufolge ist der Mensch ein werdendes Wesen, das sich erst in Bezug auf andere Menschen kennenlernt und in seiner individuellen Person entfaltet. Im Akt der Einfühlung in den Anderen gelingt es dem Menschen, sich zugleich selbst in den Tiefen der Schichten des Ichs zu erleben und sich selbst zu konstituieren. Im Bedingungsverhältnis zur jeweils anderen, fremden Person und zur menschlichen Gemeinschaft entbirgt man die Dimensionen der eigenen Person. Stein hebt hervor, dass zu diesem Personensein die Freiheit grundlegend dazugehört. Der Gedanke des Eingebundenseins des Menschen in die Welt menschlicher Beziehungen ist der zentrale Gedanke von Hannah Arendts politischem Denken. Nach Arendt gehört es zur Grundbedingung des Menschen, sowohl im Singular als auch im Plural zu existieren. Diese Grundbedingung, die sie als Faktum bezeichnet, manifestiert sich im Handeln und Sprechen der Menschen, das heißt in den Akten des Verstehens und der Weltgestaltung. Sowohl im Handeln als auch im Sprechen sind die Menschen einerseits mit sich selbst und gleichzeitig immer auch mit anderen. Das Handeln zählt zu derjenigen Aktivitätsform, in der die Pluralität zum Ausdruck kommt. Arendts Akzent liegt hierbei auf der äußeren, performativen Struktur einer politischen Freiheit in der gemeinsamen Welt. An unserem gemeinsamen Tag werden wir anhand von Textpassagen die zwei philosophischen Positionen zur menschlichen Bedingtheit in den Blick nehmen und ihre jeweilige Grundstruktur untersuchen. Darauf aufbauend diskutieren wir Unterschiede und Ähnlichkeiten.

Theologie trifft Technologie. Kompetenz für den Wandel: Resilienz und Empathie

Prof. Dr. Edda Pulst (Westfälische Hochschule, Gelsenkirchen)

P. Dr. Lukasz Steinert OCD (Rom)

   Zusammenfassung

Wandel ist die Konstante unseres Alltags. Veränderungen und Krisen gehören zum Menschsein. Dennoch brauchen wir Rüstzeug, um in unserer kostbaren Welt zu überleben und Mensch zu bleiben. Das gilt für den einzelnen, aber auch für die Gemeinschaft. Es geht um Widerstandsfähigkeit im Alltag der Veränderungen. Ebenso um die Bereitschaft, sich in die Lage des anderen einzufühlen. Schließlich taumelt der ähnlich durch den Wandel wie wir selbst. Auch der Klimawandel mit seiner zwingenden CO2-Neutralität hat gewaltige Veränderungen im Gepäck: Die können wir als Chance oder als Bedrohung empfinden. Die Chancen reichen von Dekarbonisierung über Carbon Capture bis hin zum Batterie-Recycling. Bedrohlich mutet indes die Auflösung gesellschaftlicher Strukturen an. Wir sorgen uns, ob alles gut ausgeht. Fachkräfte, die in Zeiten solch massiven Wandels anpacken, sind händeringend gesucht: Sie müssen neben technischem Knowhow ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit mitbringen. Genau darum kümmern wir uns – in der Begegnung von Theologie und Technologie. Es geht um Resilienz einerseits und Empathie andererseits. Edith Stein liefert uns SINN-volle Muster für beides und ermöglicht eine Haltung aus Durchhaltevermögen, Kreativität und Heiterkeit. Wir spannen den Bogen vom Lebensweg der Heiligen – ihre persönlichen Krisen aber auch die gesellschaftlichen Umbrüche eingeschlossen – bis hin zum Co2-freien Hochofen im Ruhrpott. Edith Steins Empathie-Erkenntnisse kombiniert mit Kreislaufwirtschaft. Technisches Knowhow und Theologische Weisheit verbinden sich zu Hoffnung. Und zwar Hoffnung, dass Resilienz und Empathie erfahr- und erlernbar sind. Freuen wir uns als Gemeinschaft auf den Wandel.