Warum?

Die Sommerakademie möchte grundlegende Fragen des christlichen Lebens wissenschaftlich erörtern. Dieses Jahr soll ganz der Frage nach der Menschenwürde gewidmet sein.

Edith Stein verwendet dieses Wort nicht, widmet sich aber intensiv dem Studium der Person und des Menschen. Wir werden uns somit nicht nur mit den Werken Edith Steins beschäftigen, son­dern uns vielmehr wie sie und in ihrem Geist die fundamentale Frage nach der menschlichen Würde aus biblischer, theologischer, philosophischer, anthropologischer und spiritualitätsgeschichtlicher Perspektive stellen.

Wer?

Mit wem?

Mit mehreren Referenten, die uns helfen werden, die Thematik in verschiedenster Hinsicht zu vertiefen, mit einem besonderen Interesse für das Zeugnis und die Lehre der Kar­melheiligen:

Prof. Dr. Reinhold Esterbauer
(Institut für Philosophie an der Kath.­Theol. Fakultät Graz)

Menschenwürde – gefordert und verraten.
Zum Status quo eines zentralen Begriffs

„Menschenwürde“ ist ein zentraler Begriff nicht nur der Ethik, sondern auch des Rechts. Er ist aus der praktischen Philosophie nicht wegzudenken. Aller­ dings zeigen die gegenwärtigen Diskussionen, dass der Begriff der Menschenwürde nicht mehr fraglos Geltung für sich in Anspruch nehmen kann. Am ers­ ten Tag sollen einerseits – neben den theologischen Wurzeln – wichtige begriffsgeschichtliche Stationen erarbeitet werden, andererseits soll aber auch in die gegenwärtigen Fragestellungen eingeführt werden. Es wird darum gehen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass unterschiedliche Auffassungen von Menschenwürde nicht nur folgenlose Spekulationen sind, sondern wichtige Konsequenzen für die Nor­ mierung menschlichen Handelns nach sich ziehen.

Dr. Małgorzata Bogaczyk-Vormayr (Institut für Philosophie an der Universität Posen)

Edith Stein – eine Lektüre für heute?

Edith Stein wird natürlich heute gelesen – aber wie und von wem? Es scheint, dass Stein immer in einem theologischen Kontext interpretiert wird, auch wenn es sich um ihre phänomenologische Dissertation, um frühe rechtspolitische oder gar pädagogische Schriften handelt. Aber was könnte man, beispielsweise, aus ihrer Anthropologie für die Psychotherapie, die Alteritätsforschung, die Resilienzforschung herauslesen, das allgemein hilfreich für die Menschen wäre? Gibt es hier ethisch­medizinische, bioethische Gedanken, die für Ethiker und nicht nur Seelsorger als Argumente gelten könnten? Kann man bei Stein Anstöße für eine liberal-demokratische Zivilgesellschaft finden, für Gerechtigkeit in einem nicht­christlichen Staat? Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: Ja!

Die Fachgespräche zu Edith Stein bilden immer „ge­ schlossene Programme“ – da treffen einander Men­schen, die gleiche Werte vertreten und miteinander kaum diskutieren müssen, sondern sich immer gegen­seitig bestätigen. Christen lesen die Heilige Edith Stein und scheinen sich nicht darum zu kümmern, dass sie bei Laien, bei Atheisten nicht gelesen wird; die Wissenschaften ohne theologische Ausrichtung (sie stellen doch die Mehrheit dar) widmen sich nicht einer ernsthaften Lektüre von Edith Stein, weil auf die For­schungsgeister die „Heiligkeit“ befremdend wirkt. Und somit entstehen kein Dialog, keine Gegenseitigkeit und keine neuen Erkenntnisse. Ich möchte dazu Anstöße geben: Edith Stein nicht zu verfälschen, aber auch nicht auf die eine herrschende, sog. richtige Interpreta­tion zu reduzieren, sondern Stein wieder „laut“ zu lesen, d.h. für alle Menschen, die mithören und mitdenken möchten!

Dr. Regina Willi (Universität Wien)

„… nach unserem Bild und unserer Ähnlichkeit“ (Gen 1,26)
Die Würde des Menschen im Horizont von Altem Orient und Altem Testament

Zur Zeit, als die biblischen Schöpfungsberichte geschrieben wurden, bedeuteten diese Texte eine Infrage­stellung der üblichen altorientalischen Auffassungen vom Menschen, und natürlich auch von Gott. Dass ein einziger Schöpfergott unterschiedslos allen Menschen Dasein und Freiheit schenkt, sprengte die damals gängigen Vorstellungen. Die biblischen Schöpfungsberichte betonen zudem die fundamentale, unaufhebbare Gleichwertigkeit und Würde aller Menschen.

Angesichts von Tendenzen, die das menschliche Denken auf chemische Prozesse reduzieren und in der Folge den Menschen nur materiell bzw. naturalistisch erklären oder aber seine Differenz zu den Tieren herunterspielen wollen, erhebt Gen 1 kritisch seine Stimme. Der Beginn der Bibel weist darauf hin, dass der Mensch nur von seiner Beziehung zu Gott her wirklich voll zu verstehen ist und ihm gleichzeitig große Verantwortung für die von Gott geschaffene Schöpfung aufgetragen ist.

Diesen fundamentalen Aussagen der hl. Schrift über die Menschenwürde wollen wir nachgehen.

P. Dr. Christof Betschart OCD (Rom)

Menschenwürde bei Edith Stein
auf dem Hintergrund der biblischen Lehre von der Gottebenbildlichkeit und Gotteskindschaft

Neuere exegetische Untersuchungen zeigen, dass ein Bezug zwischen Gottebenbildlichkeit und Gotteskindschaft sowohl in der Genesis als auch bei Paulus aufgezeigt werden kann. Davon ausgehend soll eine theologische Interpretation vorgeschlagen werden, die dann auch als Übergang zu Edith Steins Frage nach der Menschenwürde gelesen werden kann. Dafür nimmt sie nicht in erster Linie das allen gemeinsame menschliche Wesen, sondern die unaussprechliche Einzigartigkeit jeder menschlichen Person in den Blick.

Mag. Daniela Köder (Wien)

Menschenwürde trotz Leiden?

Gedanken Edith Steins zu stellvertretendem Leiden und der unverlierbaren Würde des mensch­ lichen Lebens.

Organisation?

P. Dr. Christof Betschart OCD (Rom), Dr. Regina Willi (Wien) und P. Dr. Roberto Maria Pirastu OCD (Wien)

Von wem?

Die Sommerakademie wird organsiert von der Edith Stein Gesellschaft Österreich und dem Teresianischen Karmel in Österreich, in Zusammen­ arbeit mit der Katholischen Hochschulgemeinde Wien.

Wie?

Die Sommerakademie charakterisiert sich durch die Verbindung von Studium und Gebet, Gemeinschaft und Entspannung.

Was das Studium betrifft, wird jeweils ein Tag von einem Referenten/einer Referentin gestaltet: Am Vormittag wird ein Vortrag angeboten, und der Nachmittag ist vermehrt der persönlichen Lek­ türe von Texten und der gemeinsamen Re exion gewidmet.

Die Möglichkeit zur Teilnahme am Gebet der Karmeliten hilft uns, intellektuelles und geistliches Leben miteinander zu verbinden. Neben der täglichen gemeinsamen und persönlichen Arbeit, können informelle Begegnungen und Spaziergänge statt nden.

Die gemeinsamen Mahlzeiten und die Reflexion in Kleingruppen am Nachmittag können eine Gelegenheit sein, den gegenseitigen Austausch zu fördern.

Der Klostergarten, die Nähe zum Kahlenberg und zum Wienerwald können zur Entspannung beitragen und begünstigen sowohl das Studium als auch das Gebet.

Für wen, wann und wo?

Für wen?

Die Sommerakademie wendet sich vor allem an Studierende bis 35, sowie junge Forscher und wiss. Interessierte, nicht nur der Philosophie und der Theologie, welche
die Frage nach der Menschenwürde gemeinsam und in einem Kontext des Gebetes vertiefen möchten. Wir wollen einerseits versuchen, das Thema wissen­schaftlich zu ergründen, gleichzeitig aber auch einen Akzent setzen auf die Verbindung von Studium und dem konkreten geistlichen Leben.

Die Teilnehmerzahl ist auf 15 begrenzt.

Wann?

Die Sommerakademie beginnt am Sonntag (Abend), 25. August, bis zum Samstag (nach dem Frühstück), 31. August 2019.

Wo?

KarmelZentrum im Karmelitenkloster
Silbergasse 35, A-1190 Wien
Tel. : +43 699 16770217
eMail: info@edith-stein-gesellschaft.at
Internetseite: www.edith-stein-gesellschaft.at
oder www.karmel.at

Kosten?

Die Tagungskosten für die Woche betragen 250 € inkl. Unterkunft mit Vollpension (Ermäßigung für Studierende auf Anfrage möglich).